BUNDjugend Baden-Württemberg  

Klimagerechtigkeit – Was steckt hinter den Parolen?

What do we want? – Climate justice!!! – And when do we want it? – Now!!!

Der Demospruch ist in letzter Zeit oft zu hören. Er wird auf den Demonstrationen von Fridays for Future geschrien, ebenso wie auf den Besetzungen von Ende Gelände oder anderen Aktionsbündnissen. Es gibt ihn auch auf deutsch: Was wollen wir? – Klimagerechtigkeit – Und wann wollen wir das? – Jetzt!!!

Aber was ist das denn jetzt diese Klimagerechtigkeit? Die Frage ist so einfach nicht zu beantworten. Einfacher ist es erstmal zu fragen, was ist eigentlich Klimaungerechtigkeit?

Was ist Klimaungerechtigkeit?

Klimaungerechtigkeit findet auf mehren Ebenen statt. Eine davon ist zum Beispiel, dass die Länder im globalen Norden, wie etwa Deutschland viel mehr CO2 in die Atmosphäre blasen, als die Länder im globalen Süden.

Historische Schuld

Vor allem auch historisch haben die Industrienationen eine große Umweltschuld auf sich geladen. Unser gesamtes Wirtschaftswachstum basiert seit dem 19 Jahrhundert darauf fossile Energieträger zu verbrennen. Am Anfang war das vor allem Kohle, die Dampfmaschinen anfeuerten, seit dem zweiten Weltkrieg ist Erdöl der wichtigste Energielieferant. Viele der Entwicklungen im globalen Norden wären nicht möglich gewesen, wenn man nicht auf die Energie zurück gegriffen hätte, die im Boden schlummerte. Und viele haben davon profitiert, dass wir nun seit 200 Jahren immer mehr CO2 in die Luft jagen.

Wer profitiert?

Aber es haben eben nicht alle profitiert, und vor allem nicht die, deren Lebensgrundlage jetzt durch den Klimawandel bedroht wird. Im Gegenteil gerade die Menschen, die nicht von der Verbrennung fossiler Energien profitiert haben sind jetzt den Folgen des Klimawandels schutzloser ausgeliefert.

Ein oft angeführtes Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen den Niederlanden und Bangladesch. Während in Bangladesch die Menschen Angst vor dem steigenden Meer haben und nicht wissen, wo sie hin sollen wenn das Gangesdelta ein Fünftel seiner Fläche an den Ozean verliert, baut die Niederlande höhere Dämme. Und der Zusammenhang ist kein Zufall sondern systematisch, denn gerade weil die Niederlande Zugriff auf fossile Energien hatte, kann sie sich jetzt vor den Folgen des Klimawandels schützen.

Ganz einfach gesprochen: Wenn ich fossile Energieträger verbrenne, werde ich reich, dann kann ich mich schützen vor den Folgen des Klimawandels oder anders gesagt: Klimaungerechtigkeit ist, dass die Menschen am meisten unter dem Klimawandel leiden, die am wenigsten dafür können.

Und das gilt nicht nur für die globale Perspektive. Möchte man Aufzählen, warum der Klimawandel ungerecht ist, bräuchte man Bibliotheken dazu.

Auch innerhalb von Deutschland gibt es Klimaungerechtigkeit. Denn natürlich profitieren auch hier nicht alle gleich von der Verbrennung fossiler Energieträger. Und wer mehr Geld hat konsumiert mehr, und wer mehr konsumiert oder sich leisten kann in den Urlaub zu fliegen, stößt auch mehr CO2 aus.

Klimagerechtigkeit und das Wirtschaftssystem

Wer, wie, warum profitiert hat viel mit dem Wirtschaftssystem zu tun. Deshalb lehnen viele Klimaaktivit*innen den Kapitalismus ab. Um Aussagen wie System Change not Climate Change zu verstehen macht es Sinn sich anzuschauen, was das eigentlich ist – dieser Kapitalismus.

 

Was also ist jetzt Klimagerechtigkeit?

Das Konzept kommt aus der Umweltgerechtigkeitsbewegung. Diese entstand, als die weiße Oberschicht in den USA anfing sich gegen die gesundheitsschädliche Wirkungen bestimmter Industrien zu wehren. Anstatt, dass diese umstrukturiert wurden, wurden sie vor allem verlegt. Und zwar in Gegenden, in denen benachteiligte, meist schwarze Menschen lebten, um die man sich in seinem Rassismus nicht scherte. Die Betroffenen wehrten sich jedoch und fingen an aufzuzeigen, wie Umweltprobleme mit sozialer Ungerechtigkeit zusammen hängt.

Wie eine klimagerechte Welt konkret aussehen würde ist unklar. Aber es geht bei dem Begriff auch weniger um einen Zustand der Welt als um soziale Kämpfe, die sich für eine Transformation der sozialen Grundstruktur einsetzen.

Es geht darum eine Welt zu kreieren in der Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit selbstverständlich sind. Und dazu gehört dann eben auch, dass kapitalistische Unternehmen damit aufhören ihren Dreck in die Luft zu pusten, ohne sich um die Folgen zu scheren.

 

Too long didn’t read (TLDR):

Das Konzept der Klimagerechtigkeit begreift den Klimawandel nicht primär als ein ökologisches, sondern als ein soziales Problem. Es ist ziemlich umfassend und kann überall da genauer ausformuliert werden, wo der Klimawandel mit sozialer Ungleichheit zusammen kommt. Zum Beispiel ist der Klimawandel die Folge eines Wirtschaftssystem in dem wenige davon profitiert haben CO2 in die Atmosphäre zu blasen, jetzt aber vor allem die anderen darunter leiden.

Weitere Links und Quellen zu dem Thema:

Die Organisation 350.org setzt sich für den Rückgang der CO2 -Konzentration in der Atmosphäre ein und hat ebenfalls ein Artikel Was ist Klimagerechtigkeit geschrieben.

Und wer wirklich verstehen will, welche Aspekte das Konzept der Klimagerechtigkeit umfasst ist hiermit ausdrücklich aufgefordert den  wirklich guten Artikel von Tadzio Müller zu lesen.