BUNDjugend Baden-Württemberg  

Aktionstag 2019: Der graue Planet


 

Wir Menschen bauen immer mehr auf unseren Erdboden. Jeden Tag wird pro Person die Fläche eines Bierdeckels mit Straßen oder Gebäuden zugebaut – das ist täglich eine Fläche von über
70 Fußballfeldern allein in Deutschland!
Diese Fläche geht dem Naturraum und der Landwirtschaft ab, was beträchtliche ökologische, soziale und ökonomische Probleme verursacht.

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen und darüber zu informieren, werden wir am 29.06.2019 unseren landesweiten Aktionstag durchführen.
An interaktiven Informationsständen wollen wir ins Gespräch mit möglichst vielen Leuten kommen, Materialien vergeben und Diskussionen anregen.

Warum ist Boden so wichtig?

Der Boden…

… ist die Grundlage für Pflanzenwachstum

… ist die Grundlage der Landwirtschaft und somit die Grundlage für die Produktion von             Nahrungsmitteln (rund 90% der Lebensmittel hängen vom Boden ab)

… ist Weidefläche für Tiere

… ist der Lebensraum zahlreicher Tierarten, zum Beispiel Bakterien, Pilzen, Algen und winzigen Insekten (etwa 25% der auf der Erde vorkommenden Arten lebt im Boden)

… wirkt als natürlicher Filter und reinigt Niederschlag und Flusswasser

… ist unser Grundwasserspeicher und somit wesentlich für die Trinkwasserbeschaffung

… ist Speicherort für große Mengen an Kohlenstoff und deshalb wesentlich für das Weltklima


Übrigens: Es gibt auch eine Ausgabe unseres Kindermagazins Manfred Mistkäfer zum Thema Boden!
Mehr dazu findest du hier!

Was ist "Flächenverbrauch"?

 

  • Flächenverbrauch ist natürlich kein wirklicher Verlust von Fläche und Boden, sondern vielmehr der Verlust fruchtbarer Bodenfläche durch Bebauung oder andere Nutzung
  • Weltweit werden jährlich etwa 10 Millionen Hektar in Anspruch genommen!
  • Der Flächenverbrauch geschieht größtenteils durch den Bau von Gebäuden und gebäudebezogenen Flächen, Verkehrsflächen, Erholungsflächen, Betriebsflächen (zum Beispiel Lager) und Friedhöfen. Diese Flächen nennt man Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV)
  • Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) ist nicht unbedingt versiegelt, also zugebaut und betoniert. Eingeschlossen sind nämlich auch Grünflächen, Parks, Sportplätze und ähnliches.
    Die Fläche ist etwa zur Hälfte versiegelt und zur Hälfte unversiegelt.
  • Boden regeneriert bzw. erneuert seine Fruchtbarkeit nur sehr, sehr langsam, nämlich nur 0,1mm im Jahr! Der Boden ist also eine begrenzte Ressource, die wenn sie einmal verloren ist, so gut wie nicht mehr herstellbar ist.

Das Problem

Jeden Tag wird in Deutschland durchschnittlich eine Fläche von über
70 Fußballfeldern (51,5 Hektar) verbraucht!!

(2018)

Gründe

Der sozio-ökonomische Wandel

  • Weil die Weltbevölkerung immer mehr zunimmt, werden auch immer mehr Wohnungen benötigt.
  •  Die Deutschen haben durchschnittlich immer mehr Geld. Deshalb nimmt der Flächenverbrauch durch Freizeitflächen, Ein- und Zweifamilienhäuser, Wochenends- und Ferienhäuser immer mehr zu. Es wohnen immer weniger Bewohner auf viel Raum, die Fläche wird nicht mehr effizient genutzt.
  •  Bildungs- und Kultureinrichtungen werden ausgebaut. Auch sie brauchen immer mehr Platz.
  •  Die Familienstruktur hat sich verändert. Es gibt immer mehr Alleinstehende, immer mehr kinderlose Paare und immer mehr kleine Familien. Dadurch werden mehr Wohnungen oder Häuser gebraucht als zuvor.
  •  Junge Famlien ohne Kinder ziehen in Wohnungen, die ihnen zu klein werden, sobald sie Kinder bekommen, was sie zum Umziehen bewegt.
  •  Ältere Leute bleiben trotz geringerem Wohnungsbedarfes in ihren Häusern.
  •  Es gibt viele leerstehende und unbewohnte Häuser bzw. Flächen.

Siedlungsstrukturkonzepte

  • Suburbanisierung: Viele Menschen entwickeln den Wunsch vom Leben in Einfamilienhäusern in der Natur. Obwohl die Bevölkerungszahl in Deutschland abnimmt, nimmt der Flächenverbrauch wegen der großen Flächen der Einfamilienhäuser also zu
    Urbanisierung als Gegentrend: Groß- und Mittelstädte mit vielfältigem Bildungs- und Kulturangebot werden zunehmend attraktiv für junge Leute
  • Siedlungsflächen inklusive Erholungs- und Freizeitflächen und Verkehrsflächen breiten sich aus.
  • Es wird mehr Fläche verbraucht als tatsächlich benötigt wird (z.B. leerstehende, ungenutzte Gewerbegebiete)
  •  Es gibt einen Mangel an (günstigen) Mietwohnungen

Öffentliche Förderung

Wohnungs- und Infrastrukturausbau werden vom Staat finanziell gefördert


Bodenmarkt

Wohnungen in der Stadt sind sehr teuer, im Vergleich dazu sind die Bodenpreise in der Peripherie eher günstiger

Folgen

Ökologische Folgen

  •  Biotope werden zerstört, dadurch gibt es einen Verlust an biologischer Vielfalt (Biodiversität)
  • Der Lebensraum von Tieren wird eingegrenzt und durchschnitten, das ist vor allem für Tiere mit großen Territorien problematisch
    → Es gibt zahlreiche Wildunfälle (jährlich rund 250.000!), dies verursacht Existenzprobleme bei Tierarten, die auch so schon vom Aussterben bedroht wären!
  • Bodenqualität und -fruchtbarkeit werden reduziert
  • Natur wird vernichtet, was klimatische Folgen hat: Pflanzen kühlen durch Wasserverdunstung die Luft und verbessern die Luft, indem sie CO2 verbrauchen. Ohne sie gibt es also zum einen keinen Kühleffekt und zum anderen mehr CO2, was den Klimawandel begünstigt.
    Übrigens: hier gibt’s mehr zum Thema Klima!
  • Die Temperatur im Kleinklima nimmt zu, weil bebaute Gebiete (z.B. mit Asphalt) und Gebäude viel Strahlung reflektieren und somit die bodennahe Luft aufheizen. Zudem wird die Luftzirkulation durch Bebauung gestört, was zu weiterer Aufheizung in Städten führt.
  • Bodenfläche der Landwirtschaft wird verloren. Um die gleichen Erträge zu erwirtschaften, müssen die Ackerflächen intensiver als bisher genutzt werden, was die Bodenqualität und -fruchtbarkeit auf diesen Böden zusätzlich reduziert
  • Die Hochwassergefahr wächst und der Grundwasserspiegel sinkt, weil das Regenwasser wegen der Versiegelung nicht in den Grund versickern kann
  • Durch die Suburbanisierung gibt es immer längere Wege, was zu mehr Verkehr und somit mehr Emissionen, Lärm und überfüllten Verkehrswegen führt. Dadurch gibt es einen höheren Energieverbrauch und die Infrastruktur wird weniger effizient genutzt.

Soziale Folgen

  •  Es kommt zu Flächennutzungskonflikten:
    – Die Landwirtschaft möchte Felder behalten, um genug Ertrag erzielen zu können
    – Die Eigentümer von Häusern möchten im Eigenheim wohnen oder Haus vermieten
    – Die Kommunen möchten neue Einwohner durch attraktive Neubaugebiete anlocken
    – Naturschützer möchten Boden erhalten
  • Es entstehen viele Wohnmöglichkeiten außerhalb Städten → Zersiedelung
  • Die Mobilität wird für Bevölkerungsgruppen ohne PKW (Rentner, Kinder…) erschwert
  • Erholungsflächen in der Natur gehen verloren
  • Gentrifizierung (Aufwertung eines Stadtteils, häufig verbunden mit dem Vertreiben der dort ansässigen Bevölkerung) führt zur Entmischung der Bevölkerungsschichten. Dadurch entstehen Problemquartiere auf der einen, Luxusquartiere auf der anderen Seite. Diese große Differenz sorgt für mehr soziale Unsicherheit.

Ökonomische Folgen

  • Die Dezentralisierung führt zu „Stadtsterben“
  • Die Infrastruktur muss deutlich erweitert werden, was sehr teuer ist. Pendeln ist somit sehr teuer und aufwendig. Die Mobilitätskosten steigen nicht nur für den Staat, sondern auch für die jeweiligen Einzelpersonen.
  • Kompensationsflächen sind häufig auf Kosten der Landwirtschaft. Die Lebensmittelversorgung von vielen Produkten wird dadurch erschwert und die Preise für Lebensmittel steigen.
  • Durch die Zersiedelung werden weite Strecken mit Verkehrsmitteln zurückgelegt, die Menschen bewegen sich weniger. Dies kann zu Übergewicht und Bluthochdruck führen, was die Kosten für das Gesundheitssystem erhöht.
  • Der Leerstand von Gebäuden verursacht Kosten.

Unsere Forderungen / Das kann die Politik tun

 

  • Netto-Null erreichen!
  • Innenentwicklung attraktiv gestalten
    Man sollte lieber auf einen gut entwickelten, gepflegten Ortskern setzen, anstatt auf einige große Einfamilienhäuser etwas außerhalb. Netz und Frequenz der öffentlichen Verkehrsmittel sollten erhöht werden. Das ist nicht nur flächentechnisch gesehen sinnvoll, sondern sorgt auch dafür, dass eine Stadt erhalten bleibt, attraktiv für junge Menschen ist und somit nicht ausstirbt. Es ist wichtig, dass kein zu großer Wettbewerb um Bewohner durch Häuserbau unter Gemeinden herrscht, besser ist es, mit einer attraktiv entwickelten Stadt zu werben.
  • Innerörtlichen Wohnungsbau fördern
    Schaffung bezahlbarer Wohnungen: die Kommunen und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften sollten verstärkt geeignete Grundstücke im Innenbereich erwerben, die sie an Bauträger zur Schaffung von dauerhaft preiswertem Wohnraum verpachten oder selbst bebauen. Dabei werden langfristige Vorgaben für soziale und ökologische Standards eingehalten.
  • Subventionen zur Außenentwicklung abbauen
    Beispiele für solche Subventionen sind die Pendlerpauschale oder die Gemeinschaftsaufgabe GA, die die Neuerrichtung von Gewerbegebieten fördert.
  • Sinnvolle Flächennutzung
    Flächenkreislaufwirtschaft, Flächenrecycling, Erneuerung bestehender Gebäude anstatt Bau neuer Gebäude, Vermeidung von Leerstand von Gebäuden.
  • Vermietungsgesellschaften
    Kommunen sollten Vermietungsgesellschaften gründen, vorzugsweise auf Kreisebene. Diese mieten leerstehenden Wohnraum an, sanieren ihn gegebenenfalls und vermieten ihn an finanziell schlechter gestellte Gruppen weiter. Den Vermietern werden Mieteinnahmen und die Instandhaltung der Wohnung garantiert.

  • Ökologische Maßnahmen
    Ausgleichsflächen schaffen; ökologische Aufwertung von Flächen (z.B: Dächer, Wände, Gänge begrünen oder in der Stadt Blumeninseln schaffen); Versiegelung minimieren (z.B. Parkplätze nicht versiegeln).
  • Förderprogramm
    Förderprogramm für den kostengünstigen (Miet-)Wohnungsbau mit hohen (energetischen) Standards im Innenraum schaffen.
  • Verkauf zu Festpreis
    Städtische Grundstücke sollten nicht zum Höchstpreis an Investoren verkauft werden, sondern zum Festpreis (nach städtebaulichen und wohnungspolitischen Konzepten, die vertraglich fixiert werden).
  • Grundsteuer
    Die Grundsteuer sollte abhängig vom Versiegelungsgrad sein und für unbebaute Grundstücke (brachliegende Baulücken…) erhöht werden.
  • Kompetenzzentren Stadtplanung
    Viele vor allem kleinere Kommunen sind personell nicht in der Lage, eine vorausschauende strategische Siedlungsplanung zu betreiben. Diese sollten von Kompentenzzentren beraten und befähigt werden, innovative städtebauliche Konzepte zur Innenentwicklung umzusetzen. Hierbei ist der Natur- und Artenschutz ebenso zu beachten und nachzuweisen wie der Klimaschutz.
  • FlächenhandelVorschlag „Flächenhandel“ (wie Emissionshandel): jede Kommune bekommt die Erlaubnis, eine bestimmte Fläche zu „verbrauchen“. Das fördert Flächeneffizienz und Flächenrecycling.

Das kann jeder Einzelne machen

  • Gestaltet euren Garten oder Balkon als Ausgleichsfläche!
    Naturgärten mit einheimischen Pflanzen mindern ökologische Folgen des Flächenverbrauchs. Wenn du keinen Garten oder Balkon hast, kannst du auch einen Stadtgarten machen, in dem jeder mithelfen kann und ihr euch die Erträge teilen könnt.
  • Minimiert die Bodenversiegelung des eigenen Grundstückes.
    Schafft Möglichkeiten zur Versickerung von Regenwasser. Wichtig sind viel Grünfläche sowie wasserdurchlässige Beläge (z.B. Rasengittersteine)

Rasengittersteine
Quelle:https://www.plantopedia.de/rasengittersteine-verlegen/

  • Überdenkt euren „Flächenkonsum“ .
    Wie viel Fläche verbrauchst du durch Wohnen und Arbeiten, durch Verkehr und Freizeit? Kannst du eine*n Mitbewohner*in aufnehmen? Kannst du deine Sportart auch im Freien ausüben…?
  • Kauft im Ortskern und nicht bei Online-Händlern ein und unterstützt somit die Innenentwicklung.
  • Setzt euch bei Unterschriftenaktionen, Petitionen oder der Gemeindeverwaltung gegen die Ausweisung neuer Gewerbe- und Baugebiete ein.

Der Aktionstag wird in folgenden Städten stattfinden:
Karlsruhe, Offenburg, Radolfzell, Ravensburg, Tübingen, Vaihingen-Enz
Wir freuen uns auf euch!


Bei Fragen rund um den Aktionstag könnt ihr euch gerne bei Annika melden!
Ihre E-Mail-Adresse lautet praktikantin@bundjugend-bw.de

 

Übrigens: hier findet ihr Informationen über die Aktionstage der letzten Jahre!

Gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Programms „Wir sind dabei!“

                           

 

 

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