BUNDjugend Hessen  

„… wegen den Tieren!“ Oder: Wie ich zur (Teilzeit) Veganerin wurde

Fleisch esse ich seit dreieinhalb Jahren nicht mehr wegen der Tiere und der Umwelt. Es ist für mich mittlerweile völlig absurd tote Tiere zu essen. Aber bei Milch und Eiern – dafür müssen ja keine Tiere sterben – dachte ich.

Spätzle, Kuchen, Rührei… Mhmmm… Aber was man mit dem Eierkonsum unterstützt, ist ganz und gar nicht appetitlich. Die Legehennen bekommen Küken, die natürlich auch Eier legen sollen. Da dies den männlichen Küken aber nie möglich sein wird, und das weitere Halten der Hähne keinen Nutzen bringt, werden sie ganz einfach schon als Küken erstickt, vergast oder zerschreddert. Bei den Kühen, bzw. der Milchproduktion, geht es keinesfalls humaner zu. Wie bei allen Säugetieren, dazu gehören auch menschliche Mütter, geben auch Kühe nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben. Völlig naiv ist der weit verbreitete Irrglaube, dass Kühe gemolken werden müssen, da ihre Euter sonst „platzten“. Die Kühe müssen stattdessen regelmäßig befruchtet werden, um täglich Milch zu produzieren. Das Kälbchen selbst kommt hierbei überhaupt nicht in den Genuss seiner artgerechten Ernährung. Es wird sofort nach der Geburt von seiner Mutter getrennt und mit Milchersatz aufgezogen. Die weiblichen Kälber werden bei Bedarf zu Milchkühen aufgezogen, während die Männlichen bereits nach wenigen Wochen fast alle geschlachtet werden. Die Vorstellung, dass außer der reinen Milch noch viele andere Dinge, wie zum Beispiel Blut und Eiter, die durch Verletzungen des Euters beim Melken durch die Melkmaschine in die Milch gelangen, ist ekelerregend. Außerdem sind Schwangerschaftshormone und Krankheitserreger in der Kuhmilch enthalten. Für die männlichen Kühe, die ohnehin nicht für die Milchwirtschaft genutzt werden können, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man verarbeitet sie zu Kalbsfleisch oder man schneidet ihnen gleich als Neugeborenes den Magen auf, um ihnen das Enzym LAB zu entnehmen, welches man für die Käseherstellung benötigt. Natürlich werden manche auch weiter aufgezogen, um später zu Fleisch oder Leder verarbeitet zu werden. Und das alles unterstützt man mit dem Verzehr von Milchprodukten… ist es also legitim für eineN VegetarierIn zu sagen „…wegen den Tieren“? Eigentlich nicht! Aber weil der Verzehr von Eiern und Milch so normal ist und jeder Veganer nur ein „Freak“ ist, denken viele Vegetarier, von Fleischessern ganz zu schweigen, gar nicht daran, dass auch bei der Milch- und Eierproduktion sehr viel Tierleid mit im Spiel ist. Verlockende Angebote, wie Flammkuchen auf dem Weihnachtsmarkt oder Softeiscreme im Sommer, machen die Sache nicht einfacher. Vor allem wenn Essen als gemeinschaftliches Ritual gesehen wird. Wenn man bei FreundInnen oder Familienfeiern eingeladen ist, kann es bei diesem Thema schnell zu einer hitzigen Diskussion ausarten. Ob und in welchem Maße man das Vermeiden von tierischen Produkten „betreibt“ muss jedeR für sich entscheiden. Sojamilch zum Müsli, Hafersahne in die Soße, oder Eiersatz in den Kuchen… es gibt mittlerweile für alles Alternativen. Und der geschmackliche Unterschied ist oft nicht groß. Klar sollte man auch hierbei wieder darauf achten, was die Produkte enthalten. Nur künstliche Stoffe machen krank, Palmfett ist schlecht bezüglich der Abholzung des Regenwaldes… Aber gesund ist es auf alle Fälle von den tierischen Fetten wegzukommen – und sich auch ein bisschen mehr mit der Nahrung, die man tagtäglich zu sich nimmt, auseinander zusetzen.

Anka Lautenbacher ist im Vorstand der BUNDjugend Baden-Württemberg

Die aktuelle kriZ Ausgabe 1/2012 findest du zum Download hier.